Völlig lost in Lost

Mir ist es doch tatsächlich gelungen, ein Autogramm von „Lost“-Autor Javier Grillo-Marxuach zu ergattern! Ihr fragt euch, wie? Na dann lest doch meine Serienkritik zu „Lost“!

Serienkritik

USA 2004-2010
Mystery / Drama, ca. 43 Min. je Folge
Cast & Crew (auf IMDB)

Inhalt:

Ein Passagierflugzeug stürzt auf einer Insel im Pazifik ab. Keine gewöhnliche Insel, wie sich schnell herausstellt. Neben unerklärlichen Wundern und Visionen müssen sich die Überlebenden zahlreichen, mysteriösen Gefahren stellen. Noch dazu scheint sie niemand zu suchen: Sie sind LOST…

Trailer:

Persönlicher Bezug:

Mich als leidenschaftlichen „Lost“-Fan zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung! Keine andere Serie schaffte es, mich von Anfang an so in ihren Sog zu ziehen wie diese. Dank Dharma-Initiative, antiker Bauten und Ureinwohner (= „Die Anderen“), konnte ich mich voll und ganz in einer Welt verlieren, in der alles möglich erschien. Und die vor Geschichte und Geheimnissen nur so triefte.

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich mein komplettes Filmstudium mit einer Umhängetasche herumlief, die mit „Guys, Where Are We?“ auf der Vorderseite und mit „4 8 15 16 23 42“ auf der Rückseite beschriftet war. Zu jener Zeit fieberte ich förmlich jedem Donnerstag entgegen,  um endlich die neue Folge zu sehen. Direkt danach las ich mir auf lost-forum.com die unmittelbaren Fan-Reaktionen und in der Lostpedia die neuesten Theorien durch, von denen eine wilder als die andere war. Und meist nur einen Tag später wurde auch noch der Official Lost Podcast veröffentlicht, in dem die Showrunner Damon Lindelof und Carlton Cuse nicht nur über die Serie sinnierten, sondern vor allem auch herrlich herum blödelten.

Zudem verbindet mich eine kleine, persönliche Geschichte mit Lost-Autor Javier Grillo-Marxuach, die ihr euch hier durchlesen könnt. Im Rahmen eines Hollywood-Stipendiums in L.A. konnte ich ihn dann sogar persönlich könnenlernen. Es war eine unfassbare Erfahrung, von ihm unterrichtet zu werden, und ihm zudem mein Diplom pitchen zu können.

Zum Ende von „Lost“ veröffentlichte „The Injustice League“ eine epische Hymne auf Lost, die perfekt beschreibt, wie ich mich damals gefühlt habe. „Lost“ war – wie in dem Song beschrieben – eine Konstante für mich, bei der ich mich darauf verlassen konnte, hervorragend unterhalten zu werden. Ich empfehle, das nachfolgende Video erst zu schauen, wenn ihr die komplette Serie gesehen habt:

Rezension:

„Lost“ hat viel Kritik einstecken müssen, weil es jede Folge mehr Fragen stellt als beantwortet, doch eines muss man den Autoren lassen: Langweilig wird es nie. Das liegt zum einen an der Mentalität, exzessiv Cliffhanger zu gebrauchen, zum anderen aber auch an den Erzählstrukturen.

In dieser Hinsicht waren die Autoren extrem mutig. Während die ersten drei Staffeln überwiegend Flashbacks nutzen, um die Hintergrundgeschichten der Hauptfiguren zu beleuchten, wechselt dann mit jeder Staffel die Erzählweise. Um nicht zu spoilern, gehe ich darauf jetzt nicht näher ein. Nur soviel möchte ich sagen: Bei einer Serie, die so erfolgreich war wie „Lost“, solche Risiken einzugehen, verdient meiner Meinung nach höchsten Respekt.

Doch das alles wäre reine Spielerei, wenn die Figuren einen nicht interessieren würden. Aber das tun sie! Zu Beginn der Serie wirken manche noch wie klischierte Abziehbilder, doch schnell erweisen sich die vorgefassten Meinungen als vollkommen falsch. Mit der Zeit entwickeln sie sich zu Figuren, die man abgöttisch liebt, angefangen bei Jack Shephard und John Locke über Hurley, Desmond und Sawyer bis hin zu Benjamin Linus. Der Serie gelingt immer wieder das Kunststück, Antagonisten so emotional zu erzählen, dass man nicht anders kann als mit ihnen zu fiebern.

Was die Serie noch vom Einheitsbrei abhebt, sind die zahlreichen existenziellen und philosophischen Auseinandersetzungen, die quasi „im Vorbeigehen“ noch miterzählt werden. Besonders die zweite Staffel wartet hier mit einer irren Auseinandersetzung zwischen dem „Man of Science“ (Jack) und „Man of Faith“ (Locke) auf.

Auch die musikalische Untermalung, für die Michael Giacchino u.a. echte Teile eines Flugzeugrumpfes als Instrumente verwendet, ist sensationell und bedarf einer eigenen Musik-Kritik!

Einige Worte muss ich noch zum Serienfinale verlieren, das meiner Meinung nach oft zu Unrecht geschunden wird. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht spoilern, es sei nur gesagt, dass ich nie die Erwartung hatte, dass alle Fragen beantwortet werden würden. Viel wichtiger war und ist mir, dass die Figuren anständig zu Ende erzählt werden und in dieser Hinsicht hat sich „Lost“ wirklich nichts vorzuwerfen!

Fazit:

„Lost“ ist eine hervorragende Serie, die sich niemand entgehen lassen sollte. Absolutes Pflichtprogramm, insbesondere für Mystery-Fans!

Euch sollte nur bewusst sein, dass alle Folgen sehr stark aufeinander aufbauen und dass nicht alle Fragen beantwortet werden, was dem Vergnügen aber keinen Abbruch tut!

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