Indiana Jones und die Jäger der vergeigten Witze (Teile 1-3)

Der vierte Teil der „Indiana Jones“-Reihe hat nichts im „Olymp der Medien“ verloren! Warum? Das erfahrt ihr in meiner Filmkritik zur „Indiana Jones“-Reihe!

Filmkritik

USA 1981, 1984, 1989, 2008
Adventure
Cast & Crew des 1. Teilsdes 2. Teils / des 3. Teils / des 4. Teils (auf IMDB)

Inhalt:

Indiana Jones ist nicht gerade ein typischer Professor der Archäologie. Statt ein bequemes Leben an der Universität zu führen, stürzt er sich von einem Abenteuer ins nächste. Diese führen ihn in die entlegensten Ecken der Welt…

Trailer:

Persönlicher Bezug:

Als ich noch ein kleiner Knirps war, hatten meine Eltern belgische Bekannte zu Besuch. Irgendwann verabschiedeten sich die Erwachsenen und ließen meinen Bruder und mich mit einer belgischen 17jährigen zurück. Mein Bruder war gefühlt im gleichen Alter wie sie, ich sieben Jahre jünger. Die Atmosphäre war sehr gespannt und verkrampft, niemand wusste so recht, was er sagen sollte. Also erwähnte ich ein Witze-Buch, das ich geschenkt bekommen hatte, nur um es im nächsten Moment auch schon wieder zu bereuen. Mein Bruder zwang mich, es zu holen, und so las ich – eher wider Willen – einen schlechten Witz nach dem anderen vor. Die Stimmung löste sich nicht, im Gegenteil es wurde gefühlt nur noch schlimmer.

Bis wir irgendwann den Fernseher anmachten. Zufällig lief „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ und da passierte es auf einmal. Die Stimmung löste sich, erst lachten wir über die witzigen Stellen, dann quatschten wir über den Film und schnell führten wir sogar tolle Gespräche miteinander (natürlich nur in den Werbepausen 🙂 ). Vor meinem geistigen Auge sehe ich immer noch, wie wir Chips futterten, lachten und uns einfach nur wohlfühlten. Bis meine Eltern zurück kamen, die merklich überrascht waren, wie gut wir drei uns mittlerweile verstanden.

Diese kleine Anekdote zeigt deutlich, was ein guter Popcorn-Film leisten kann. Wo das Witze-Buch jämmerlich versagte, konnte Indiana Jones auf ganzer Linie glänzen!

Rezension:

Peitsche, Filzhut, Lederjacke und Umhängetasche. Alleine Indiana Jones‘ Montur ist legendär. Zusammen mit seinen anderen Eigenschaften wie Schlagfertigkeit, Selbstironie, Angst vor Schlangen, Wissen über antike Zivilisationen, und Harrison Fords mühelosem Spiel komplettiert sich ein Charakter für die Ewigkeit.

Die „Indiana Jones“-Reihe (ausgenommen Teil 4) besticht durch einen perfekten Mix aus Humor, Action, Spannung und Mystery. Immer sind nämlich auch übernatürliche Elemente im Spiel.

Der 1. Teil („Jäger des verlorenen Schatzes“) handelt von der sagenumwobenen Bundeslade, die eine Armee unbesiegbar machen soll. Im 2. Teil („Indiana Jones und der Tempel des Todes“)  lässt ein blutrünstiges Tempelvolk versklavte Kinder nach den fünf heiligen Shankara-Steinen graben, mit denen es die Weltherrschaft erringen will. Und im 3. Teil („Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“) geht es um den Heiligen Gral, angeblich den Schlüssel zur ewigen Jugend.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass Teil 2 im Jahr 1935 spielt und somit vor Teil 1 einzuordnen ist (Teil 1 spielt im Jahr 1936). Das macht Teil 2 gewissermaßen zu einem Prequel . Klingt komplizierter als es ist. 🙂 Zumal es für den Genuss der Filme völlig unerheblich ist.

Warum Teil 4 (= „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“) in dieser Aufzählung fehlt?

Weil er meiner Meinung nach deutlich schwächer ist als die vorangegangenen Filme. Zunächst funktioniert die Vater und Sohn-Konstellation (Shia LaBeouf/Ford) nicht mal halb so gut wie die in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (Sean Connery/Ford). Die Figur Mutt Williams bleibt blass und – vergebt mir bitte den blöden Wortwitz – matt. Auch Cate Blanchett, Ray Winstone und Jim Broadbent bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Harrison Ford als alternder Haudegen funktioniert weitesgehend, auch wenn die erzählerische Eleganz eines „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ fehlt. Damit meine ich, dass in beiden Fällen eine geliebte Figur deutlich gealtert zurückkehrt, nur dass der gealterte Han Solo um einiges interessanter erzählt wird als der gealterte Indiana Jones. Im Grunde genommen ist Indiana Jones nämlich immer noch der Gleiche, bis auf zwei Ausnahmen: Er hat jetzt einen nervigen Jungspund an der Backe und er muss häufiger mal erwähnen, dass er „zu alt für diesen Sch****“ geworden ist (wie es „Lethal Weapon“ bereits so schön vorgemacht hat).

In „Star Wars: Episode VII“ werden die 30 Jahre, die vergangen sind, sinnvoll für die Geschichte benutzt (Geheimnisse, die sich auf jene – von uns unerlebte Zeit – beziehen, werden aufgebaut und im Verlauf des Films auch beanwortet), in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist einfach nur Zeit vergangen. Das ist natürlich überspitzt formuliert – denn auch im 4. „Indy“-Teil gibt es ein großes „Geheimnis“ – aber erzählerisch eleganter wurde es auf jeden Fall bei „Star Wars: Episode VII“ gelöst. In beiden Filmen gibt es auch eine Reunion zweier Liebender (Marion/Indy und Leia/Han) nach langer, langer Zeit, und auch hier muss ich sagen, dass erstere deutlich unspannender verläuft als zweitere.

Obwohl Komponist John Williams in allen Teilen hervorragende Arbeit leistet und deshalb auch schon im Olymp der Medien aufgenommen wurde, kann auch er Teil 4 nicht retten. Die schlechten CGI, das unsägliche Lianengehangel von Mutt und das verkorkste Ende mit den interdimensionalen Wesen… all diese Elemente machen „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ zu einem bestenfalls mittelmäßigen Film.

Fazit:

Teile 1-3: Popcorn-Unterhaltung der Spitzenklasse!
Teil 4: Nur ein Schwelgen in Erinnerungen, wie schön es damals doch war. Leider nicht mehr!

Veröffentlicht in Filme

Ein Kommentar zu „Indiana Jones und die Jäger der vergeigten Witze (Teile 1-3)

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