In den Fängen einer Sekte… (Die Verurteilten)

© Castle Rock & Columbia Pictures

In meiner Studienzeit geriet ich in die Fänge einer Sekte! Wie es soweit kommen konnte, erfahrt Ihr in meiner Filmkritik zu „Die Verurteilten“…

Filmkritik

USA 1994
Drama
Cast & Crew (auf IMDb)

Inhalt:

Das Film-Drama „Die Verurteilten“ basiert auf der Novelle „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ aus „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ von Stephen King.

Andy Dufresne (Tim Robbins) landet lebenslänglich im Gefängnis und das auch noch unschuldig! Doch anstatt sich aufzugeben, kämpft Andy für ein lebenswertes Leben auch hinter Gittern und knüpft mit Häftling Red (Morgan Freeman) eine tiefe Freundschaft…

Trailer:

Persönlicher Bezug:

Wir schreiben das Jahr 2007 und wir befinden uns auf einem Seminargelände irgendwo in der Pampa. Unsere Drehbuch-Dozentin Farina Schrift (ich habe ihren Namen bis zur Unkenntlichkeit verändert 🙂 ) hat uns für zwölf Tage zu einem sogenannten „Drehbuch-Camp“ zusammengepfercht. Hier sollen Drehbuch- und Regie-Studenten an ihren Filmstoffen arbeiten und sich gegenseitig kriti.. äh, motivieren.

Jedoch müssen wir schon nach kürzester Zeit feststellen: Wir befinden uns in Wirklichkeit mitten im Meditationscamp einer Möchtegern-Sekte! Frau Schrift ist die Anführerin. Wir sind ihre Anhänger und unterliegen strengsten Regeln: 5 Uhr aufstehen, Sprachverbot, eine Stunde gemeinsames meditieren, eine halbe Stunde alleiniges meditieren, eine halbe Stunde in der Pampa spazieren gehen und endlich gemeinsames Frühstück. Erst danach ist das Sprachverbot aufgehoben und wir dürfen wieder miteinander reden.

Wozu das Ganze? Offiziell, um unserem Selbst und unserer Geschichte näher zu kommen, inoffiziell um uns zu quälen und zu kontrollieren. Das Erstaunliche: Nach einer Weile gewöhnt man sich an alles.

© Dingzeyu Li / unsplash.com

Meditationsanweisungen wie „Fühlt Euren Körper, fühlt Eure Beine, fühlt Eure Arme, fühlt Euer Geschlechtsteil…“ sorgen anfangs noch für Irritationen. Ebenso die Übung, sich gegenseitig in die Augen zu schauen, um „sich im anderen zu verlieren“. Oder die pervers, gesunde Ernährungsweise, die einem untersagt, irgendetwas zu essen, was auch nur im Entferntesten schmeckt.

Doch schon bald muss selbst der größte Skeptiker unter uns zugeben: Die Meditation zeigt erste Erfolge! Trotz Schlafentzug fühlen wir uns fit und unsere Sinne sind geschärft. Die besten Voraussetzungen also, um unsere Filmstoffe weiter zu entwickeln!

An einem Morgen bekommen wir folgende Aufgabe: „Seid eine Figur aus Eurer Geschichte und spielt sie bis zum Ende des Frühstücks, jedoch dürft Ihr die ganze Zeit nicht miteinander reden.“

Kein Problem, denke ich, und schlüpfe in die Rolle der sexsüchtigen Psychotherapeutin Dr. Thalbach, die ich mir für eine Komödie ausgedacht hatte. Nein, dies ist nicht der Anfang einer Orgie, keine Sorge. Oder schade?

Ich kann ja jetzt schlecht anfangen, allen um den Hals zu fallen, denke ich mir. Also interpretiere ich die Sucht-Aspekte meiner Figur anders. Bei meinem alltäglichen Spaziergang an der frischen Luft rauche ich eine Zigarette nach der anderen. Im Frühstückssaal trinke ich Kaffee bis zum Umfallen, was Frau Schrift entsetzt zu der Frage verleitet: „Wer hat denn den ganzen Kaffee getrunken?!?“

© Castle Rock & Columbia Pictures

Ihr fragt Euch bestimmt: Was hat das alles mit dem Film „Die Verurteilten“ zu tun? Nun ja, neben all diesen surrealen Erlebnissen, gab es auch ein sehr schönes. Wir sollten unseren Lieblingsfilm benennen und dies möglichst persönlich begründen. Ich wählte „Die Verurteilten“, weil die Filmakademie zur damaligen Zeit wie eine Befreiung für mich war. Ich glaube, dass man sich jederzeit wie in einem Gefängnis fühlen kann, ohne sich tatsächlich in einem zu befinden. Der Film schafft es, Hoffnungslosen Hoffnung zu spenden.

Rezension:

Eines der besten Drehbücher, das je geschrieben wurde. Punkt.

Frank Darabont erzählt eine zutiefst bewegende Geschichte über Freundschaft und Hoffnung. Obwohl der Film hauptsächlich im Gefängnis spielt, ist er keineswegs deprimierend. Stattdessen illustriert er auf beeindruckende Weise, wie man sich sowohl frei in Gefangenschaft als auch unfrei in Freiheit fühlen kann, je nachdem, wie man sein Leben betrachtet.

Andy ist frei und Red unfrei. Während Andy stets das Beste aus seiner Lage zu machen versucht und trotz aller Widrigkeiten niemals seinen Selbstwert verliert, ist Red eine Figur, die eigentlich schon aufgegeben hat. Warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen, etwas zu verändern, wenn man eh sein Leben lang im Gefängnis sitzt?

„Get Busy Living or Get Busy Dying“ ist Andys ebenso simpler wie schwer zu befolgender Ratschlag. Aufgeben ist immer eine Option, doch niemals eine gute. Und das belegt auch das überraschende und höchst emotionale Ende, welches ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten werde.

Auch die Filmmusik von Thomas Newman ist brilliant. Noch heute wird das majestätische Thema immer wieder gerne für Film-Trailer verwendet.

Fazit:

Seit 2008 belegt „Die Verurteilten“ den ersten Platz der Top 250 in der IMDb. Und das zurecht! Unbedingt ansehen!

Veröffentlicht in Filme

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .