Wie Buffy meinen Ruf ruinierte und ich lernte, damit zu leben…

© Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Entertainment & 20th Century Fox

Verlacht, verspottet und verschmäht! Wie es dazu kommen konnte, erfahrt Ihr in meiner Serienkritik zu „Buffy – Im Bann der Dämonen“!

Serienkritik

USA 1997-2003
Coming of Age / Mystery / Horror / Drama, ca. 44 Min. je Folge
Cast & Crew (auf IMDB)

Inhalt:

In jeder Generation wird eine Auserwählte geboren. Sie allein muss sich Vampiren, Dämonen und den Mächten des Bösen stellen. Sie ist die Jägerin. Und ihr Name ist Buffy…

Trailer:

Persönlicher Bezug:

1999: Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie mein Bruder aufgeregt eine VHS-Kassette in den Videorekorder einlegte (ja, VHS-Kassette, so alt bin ich!). Ich fragte ihn, was er aufgenommen hatte. „Buffy“ war die Antwort und ich strafte ihn mit einem ungläubigen Blick: „Ernsthaft? Diese Kindersendung schaust du dir an?“ (Wohlgemerkt, ich war vierzehn Jahre alt und er sieben Jahre älter!)

Doch mein Bruder ließ sich davon nicht beeindrucken. Er lächelte nur müde, so als wüsste er etwas, was ich noch nicht wusste. Ich setzte mich zu ihm auf die Couch und sah meine erste „Buffy“-Folge. Und da fiel es mir wie  Schuppen von den Augen! Wie bescheuert ich doch war! Ich verurteilte etwas, ohne es überhaupt zu kennen. Und schnell begriff ich, dass dies wohl die größte Fehleinschätzung meines Lebens war – bis dato jedenfalls.

© Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Entertainment & 20th Century Fox Television

Wir schauten das Finale der zweiten Staffel („Wendepunkte“ / „Spiel mit dem Feuer“) und es zog mich sofort in seinen Bann (der Dämonen). Innerhalb kürzester Zeit holte ich all die Folgen nach, die ich verpasst hatte, und wurde zu einem wohl noch größeren Fan als mein Bruder.

Die Kehrseite der Medaille war, dass es mir schon bald genauso erging wie ihm. Immer wenn ich mit stolzgeschwellter Brust erwähnte, dass „Buffy“ meine Lieblingsserie ist, erntete ich nur Stirnrunzeln und Unverständnis. Sogar von meinen eigenen Eltern! Könnt Ihr Euch das vorstellen?

Nachdem diese uns knapp ein Jahr lang dumme Sprüche an den Kopf warfen, sahen sie sich dann doch mal eine Folge an.
Und noch eine… Und noch eine… Und noch eine…

© Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Entertainment & 20th Century Fox Television

Bis sie endlich ebenso bekehrt waren wie mein Bruder und ich. Bis heute finde ich es erstaunlich, dass meine Eltern so cool waren und sich auf die Serie eingelassen haben.

Zudem war „Buffy“ eine der wenigen Serien, die mich inspirierten, selbst kreativ zu werden. Ich schrieb mit zwei Gleichgesinnten, die ich in einem Forum kennenlernte, eine Fanfiction. Und verfasste neben der Schule Artikel für das Buffymagazin, einer Internetseite, die leider nicht mehr existiert. Im Grunde war ich da schon Online-Redakteur, ohne es zu wissen.

Fanfiction:
„Böser Besuch“ von Marius, Kati & SnowWhite

Beispiel-Artikel aus dem Buffymagazin:
Ein Rückblick auf Staffel 4
Ein Rückblick auf Staffel 5
Buffy Vs. Roswell – Ein Vergleich
Die Jägerinnen im Vergleich

Es ist eine ganze Weile her, dass ich diese Texte geschrieben habe. Heute würde ich wahrscheinlich vieles anders formulieren, aber was soll’s! Was zählt, sind die Erinnerungen an eine schöne Zeit. Ich hoffe, Ihr habt beim Lesen mindestens halb so viel Spaß, wie ich damals beim Schreiben hatte!

Rezension:

Obwohl der Titel der Serie anderes vermuten lässt, handelt es sich bei „Buffy“ um eine Ensembleserie. Die Figuren sind einzigartig und wachsen einem sehr schnell ans Herz. Angefangen beim verkrampften Giles über Rocker-Vampir Spike bis hin zur schüchternen Willow. Dabei ist insbesondere erstaunlich, wie stark sich die Figuren im Verlauf der Serie entwickeln. Ohne zuviel verraten zu wollen: Willow, Spike, Angel, Giles, Anya und Buffy sind zu Beginn der Serie völlig andere Persönlichkeiten als zum Ende der Serie. Nur Xander bleibt konstant der Chaot, der er von Anfang an ist, was tatsächlich etwas schade ist.

© Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Entertainment & 20th Century Fox Television

Die Serie lebt von ihrem fantastischen Dialogwitz und ihren vielen Popkultur-Anspielungen. Leider geht in der deutschen Synchronisation einiges davon flöten, sodass ich unbedingt empfehle, die Originalfassung zu schauen.

Strukturell ist jede Staffel gleich aufgebaut. In Einzelepisoden müssen sich Buffy und ihre Freunde „Monstern der Woche“ stellen. Zudem gibt es einen Handlungsstrang, der sich über die komplette Staffel erstreckt und in dem ein Hauptbösewicht im Mittelpunkt steht.

Was die Serie noch auszeichnet, ist die Eleganz, mit der die Autoren zwischen einzelnen Genres wechseln: Ob Horror (3×10: „Das große Schweigen“), Komödie (3×13: „Die Nacht der lebenden Leichen“), Drama (5×16: „Tod einer Mutter“), Musical (6×07: „Noch einmal mit Gefühl“) oder surrealistische Traumwelt à la David Lynch (4×22: „Jedem seinen Alptraum“), hier wird einem wirklich alles geboten!

Zudem finden die Autoren wunderbare Metaphern auf Probleme des Erwachsenwerdens. Nur eines von vielen Beispielen (Achtung, jetzt folgt ein fetter Spoiler!): Nachdem Buffy zum ersten Mal mit ihrem Freund schläft, verliert dieser seine Seele und wird zum Hauptbösewicht der Staffel. Während viele von uns darüber scherzen, ihren Ex zu töten, wird Buffy buchstäblich dazu gezwungen, ihn zurück in die Hölle zu schicken.

Als kleiner Wermutstropfen sei noch erwähnt, dass die letzten beiden Staffeln der Serie deutlich schwächer sind als der Rest. Dank Paradefolgen wie „Noch einmal mit Gefühl“ (6×07) oder „Das Ende der Zeit“ (7×21 und 7×22) schaffen es aber auch diese Staffeln gerade noch in den Olymp der Medien. Ob es auch die Spin-Off-Serie „Angel – Jäger der Finsternis“ schaffen wird, bleibt abzuwarten.

Noch ein Hinweis zum Schluss: Wer alle sieben Staffeln gesehen hat, kann die achte Staffel in Comic-Form konsumieren. Einen Amazon-Link hierzu findet Ihr nach dem Fazit.

Fazit:

„Buffy“ ist eine abwechslungsreiche Mystery-Serie mit hervorragender Figurenentwicklung und spannenden Plots. Für Freunde von Coming of Age-Geschichten, die auch übernatürlichen Elementen etwas abgewinnen können, ein Muss!

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